Der Amoklauf von Winnenden - das schreckliche Ende einer Tragödie, aber zugleich ein “gefundenes Fressen” für die Medien. Zweifelsohne sind Journalisten verpflichtet, ihre Nutzer über das Geschehen zu informieren, aber bei der Suche nach den besten und exklusivsten Informationen und Bildern sollte das Kredo “Nach bestem Wissen und Gewissen” nicht vergessen werden. Manfred Protze wird mitdiskutieren, wie weit die Medien auf der Jagd nach Quote und Auflage gehen dürfen.
Manfred Protze ist amtierender Sprecher des Deutschen Presserates - die Kontrollinstanz der Presse. Als Mitglied des Beschwerdeausschusses ist er zwangsweise ständig mit den Verfehlungen der bundesweiten Presse konfrontiert. Bekanntermaßen wird der Presserat nicht von selbst aktiv, sondern erst nach Eingang einer Beschwerde. Beschwert sich denn überhaupt noch jemand? Oder sind die Konsumenten schon zu abgestumpft um Anstoß an der Berichterstattung zu nehmen? Nach diesem Prinzip funktionieren die Boulevardzeitungen erfolgreich - Skandale schaffen Käufer. Jeder Reporter will der Erste sein, der die noch unter Schock stehenden Zeugen des Attentates interviewt oder das erste Bild vom Tatort schießt. Nur bei der Moral hat es da niemand so eilig- für sie ist sowieso keine Zeit. Oder doch?
Protze kennt auch die andere Seite, schließlich ist er nicht nur Aufseher über die Presse, sondern zugleich Journalist. Seit 1974 arbeitet er als festangestellter Journalist bei der Deutschen Presseagentur dpa.
Außerdem ist Protze Mitglied des dreiköpfigen Sprechergremiums der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten - Union (dju). Seit Jahren schon ist er an der Ausbildung junger Nachwuchsjournalisten beteiligt, wo er die Inhalte des Pressekodex sicherlich weitergibt. Pädagogische Erfahrung sammelte er als Student von Deutsch und Politik auf Lehramt.
Am Mittwoch, den 11. November wird Protze die Diskussion “Ethik vs. Entertainment” mit seiner Expertise bereichern und der Frage nachgehen, wann die ethischen Grenzen für Reporter überschritten sind.
