“Ära der kreativen Zerstörung”

Eine freie Ausübung ihrer redaktionellen Tätigkeit und das Recht auf die unzensierte Veröffentlichung ihrer Meinung sind, laut Grundgesetz Artikel 5, jedem Journalisten in Deutschland zugesichert. Dennoch lassen sich einige der Kreativen ihre redaktionelle Unabhängigkeit absprechen. In der Diskussion “Pressefreiheit vs. Wirtschaftserfolg” wurde diese Problematik erörtert.

Im Zeitalter von PR-Agenturen, Werbeeinbrüchen und Wirtschaftskrisen werden Journalisten zunehmend instrumentalisiert. Beeinflusst der ökonomische Druck die journalistische Freiheit und wirkt er sich tatsächlich auf die Qualität einer objektiven Berichterstattung aus? Moderator Jürgen Schnell und die Referenten Katharina Rosenbaum, Thomas Schultz-Homberg, Ute Wüest von Vellberg und Dirk Westphal diskutierten heute diese Thesen.

Trotz Pressekodex und Rügen des Deutschen Presserats verkaufen sich Redaktionen zunehmend an scheinbar überzeugende PR-Macher. Dirk Westphal, Chefredakteur der deutschen Version von Suite101, sieht “in dem Handel mit Informationen grundsätzlich ein Geschäft”, dennoch befinden wir uns in einer “Ära der kreativen Zerstörung”, so Westphal weiter. Verständlich, denn der Druck in den Redaktionen und bei den Verlegern wächst. Einerseits sinkende Vertriebs- und Anzeigenerlöse, andererseits stetig wachsende Kosten für die Eigner. Schnellere Verbreitungswege, die Popularität des Bürgerjournalismus, die Zunahme von Medienangeboten und die niedrigen Honorare machen im Laufe der Zeit selbst standfeste Schreiber zu Marionetten der PR-Puppenspieler.

Schlechte Aussichten für den Qualitätsjournalismus, aber Thomas Schultz-Homberg, Mitglied der Geschäftsleitung der DD+V Mediengruppe, appelliert: “Das Redaktionsprinzip der Unabhängigkeit ist das Fundament für Erfolg und Qualität im Journalismus”, das müssen auch die Verleger verstehen und auf Dauer wird sich qualitative Berichterstattung durchsetzen. Dies setzt allerdings ein neues Finanzierungsmodell für Redakteure sowie das Verständnis, dass Redakteure auch wie ehrenwerte Journalisten handeln müssen, voraus. “Denn am Ende entscheidet der Mensch, nicht der Zwang”, so Westphal.

Foto: Martin Glass

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