“Medien werden jeden Tag manipuliert. Die Leute werden dafür bezahlt, zu manipulieren. Eine PR-Agentur ist heute sozusagen eine Manipulationsagentur”, erklärt Marko Dörre. Der Medienrechtler beleuchtete in seinem Vortrag “Manipulierte Medien” anhand eines realen Beispiels, wie leicht es ist, die Medien mit Falschmeldungen zu manipulieren.
Ende 2005 entstand nach der Aussage des Innenministers Schäuble, “Informationen aus Foltergeständnissen für die Terrorabwehr zu verwenden”, eine heftige Debatte. Ein Unbekannter hatte die Website www.bunddeutscherjuristen.org ins Internet gestellt und anschließend folgende Nachricht am 1.Januar.2006 an die Nachrichtenagentur Associated Press geschickt: “Bund Deutscher Juristen fordert Aussagen unter leichter Folter. Strafrichter des Bundesgerichtshofes Claus Grötz fordert offene Diskussion zum Thema Folter.” Die Nachrichtenagentur AP veröffentlichte die Meldung ohne weiteres Nachprüfen.
Die Medien reagierten darauf heftig. So schrieb beispielsweise der MDR “Juristen für Aufhebung des Folterverbotes”. Nachdem eine weitreichende Diskussion begonnen hatte, widerrief AP ihre Meldung, denn man sei einer Falschmeldung aufgesessen. Es stellte sich heraus, dass weder der Strafrichter des Bundesgerichtshofes Claus Grötz existierte, noch der Bund Deutscher Juristen.
“Die Medien stehen heute unter enormen Druck, immer die Ersten sein zu müssen. Um diesem Druck nachzukommen, wird sich kaum die Zeit genommen, abzuwarten, bis eine Meldung hundertprozentig nachgeprüft ist”, erklärt der selbständige Medienanwalt.
“Wie viele Personen prüfen die eingegangen Meldungen bei den Nachrichtenagenturen bevor sie veröffentlicht werden?”, fragt die 29-jährige Multimediastudentin Angela Zaugg den Anwalt. “Das ist ganz unterschiedlich. Tickermeldungen werden erfahrungsgemäß relativ ungeprüft übernommen”, antwortet ihr Marko Dörre.
“Die Grenze liegt zwischen Manipulation und Lüge”, fügt der Referent abschließend hinzu. Er versucht immer einen kritischen Umgang mit den Medien zu pflegen. Auch bei der Tagesschau gibt es Falschmeldungen. Selbstverständlich ist es nicht möglich, alles selbst nachzuprüfen, aber genau deshalb sollte der Nutzer nicht alles Glauben, was er liest, sieht oder hört.
