“Berichterstattung aus Krisengebieten” thematisierte Joachim von Hippel in seinem heutigen Vortrag. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Power-Action-Survival Team Ltd. (PAS-Team Ltd.), welches mit Seminaren hauptsächlich Journalisten, aber auch Vertreter aus anderen Berufsgruppen auf Situationen in Krisengebieten vorbereitet.

Joachim von Hippel bereitet Journalisten in Seminaren auf Gefahren in Krisengebieten vor
Die Idee zu diesen krisensicheren Trainings-Seminaren ist bei einem Aufenthalt in Bosnien entstanden. Dort begaben sich japanische Reporter auf einen bosnischen Friedhof, der - wie sie nicht wussten - eigentlich ein Minenfeld darstellte. Journalisten sind enormen Gefahren in Krisengebieten ausgesetzt. Um das Gefühl für die Gefahr zu vermitteln, fordert Joachim von Hippel alle Zuschauer auf unter ihrem Stuhl nach Munition zu suchen. Keiner nimmt diese Aufforderung ernst, bis doch zwei Zuschauer unter ihrem Stuhl eine Handgranate finden.
Danach folgen Bilder, wie man sie eigentlich nur aus Horrorfilmen kennt. “Ich will mit den Bildern nicht schockieren - sondern sensibilisieren”, erklärt von Hippel. Zu sehen sind der aufgeplatzte Körper eines Bauern, ein Junge dessen Beine nicht mehr als solches zu erkennen sind und ein Soldat, der versucht hatte, eine Handgranate wegzuwerfen, dabei aber seine Hand und seinen Kopf schwer verletzte. Oftmals kommt Splittermunition zum Einsatz, die in Brusthöhe eines Menschen detoniert.
Erschreckend ist auch ein Foto von einem Kindersoldaten, der ein Sturmgewehr in der Hand hält. “In solchen Situationen kann ich nur empfehlen, den kleinen Jungen zu umarmen - dann kann er nichts machen. Zumindest solange er am Check-Point ist”, macht von Hippel den Zuschauern verständlich. Außerdem rät er für solche Gefahrensituation immer give aways mitzuhaben, wie z.B. Lutscher, Kaugummis, Zigaretten oder auch ein paar Dollar. Von Geschenken an bettelnde Kinder rät er allerdings ab, weil dies dann eine Kettenreaktion auslöst.
Wie sich Journalisten in Krisengebieten richtig zu verhalten haben, lernen die Auszubildenden in dreitägigen Seminaren. Dabei wird getestet, wie die Teilnehmer unter bestimmten Situationen reagieren. Aber auch gewisse Zeichen werden erklärt. So steht beispielsweise ein verknoteter Grashalm für eine Mine. Das Feedback zu den Trainingsangeboten sei bisher nur positiv.
“Kommt es zu einer Geiselnahme, hat man vorher alles falsch gemacht”, analysiert der Experte. Ein Journalist müsse erkennen, wann Gefahr kommt. Dazu sei es wichtig, zu wissen, wie man sich kleidet, wie die politische Lage in der Region ist und wie die Sprache des Militärs sowie die internationalen Handsignale sind.
Abschließend hebt Joachim von Hippel nochmals hervor: “Eine theoretische Vorbereitung auf psychische Belastungen reicht allerdings niemals allein aus.”