Journalisten und Berufspolitiker landen bei Umfragen nach den beliebtesten Berufstätigkeiten ziemlich weit hinten. So wichtig beide Branchen sind, so kontrovers und heikel kann das Zusammenspiel von Politik und Medien sein. Abschließend zum diesjährigen Medienforum Mittweida wurde unter dem Motto “Politik und Medien - eine Hassliebe” heiß diskutiert.
Die Abschlussveranstaltung prägte eine interessante Zusammenstellung vier namhafter Referenten. Unter der Moderation von Martin U. Müller, Redakteur bei “Der SPIEGEL” diskutierten Dr. Malte Cherdron, COO der VZ-Netzwerke, Tobias Moorstedt, Journalist und Autor und Jacob Schrot, Gewinner der TV-Show “Ich kann Kanzler”.
Um als Politiker erfolgreich zu sein, ist es heutzutage nicht immer von Nöten, mit Inhalten zu glänzen. Die Rolle der eigenen Selbstdarstellung gewinnt zunehmend an Bedeutung. “Die umzusetzenden Inhalte müssen mit der Präsenz nach außen einhergehen”, erklärte Dr. Malte Cherdron. Inszenierung sei Teil des Politiker-Jobs und nehme immer mehr Zeit in Anspruch. Und wie könnte dies einfacher gehen, als über den medialen Verbreitungsweg. Medien versuchen politische Probleme verständlich für den Rezipienten aufzuwerten. “Dabei werden politische Probleme aber häufig zu sehr vereinfacht”, stellte Jacob Schrot dar. Wiederum entstehen dadurch leere Versprechen und die Politik legt sich zusätzlichen Druck auf.
Im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co entdecken auch Politiker neue Möglichkeiten ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen. “Leider geht dabei häufig das Maß für das Wesentliche verloren”, kritisierte der Gewinner von “Ich kann Kanzler”. Die USA sind wie so oft auch in diesem Punkt der Vorreiter: der letzte Präsidentschaftswahlkampf stand ganz im Zeichen der neuen Medien. Deutschland ist jedoch noch nicht bereit, den Onlinemarkt als Dreh- und Angelpunkt für einen Bundestagswahlkampf zu setzen”, analysierte Jacob Schrot.
Politiker wissen die Medien über Neuigkeiten zu informieren. “Leider werden die Informationen häufig ungefiltert, ohne jegliche Überprüfung, an die Konsumenten weitergeben”, warf Tobias Moorstedt in die Runde. Martin U. Müller begründete das damit, dass investigative Recherche mit viel Geld verbunden und die Übernahme von Informationen, die den Strukturen angepasst sind, einfacher sei. Politik ohne Medien - eine Hassliebe, die uns wohl noch weiter beschäftigen wird.
(Fotos: Sebastian Bratge)



